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Die Longobarden in Rügen.*

In uralten Zeiten war einmal eine große Theurung und Hungersnoth in Norwegen. Da traten die starken Leute auf, die des mittleren Alters waren, und wollten die Alten und die Jungen, als den schwächeren Theil, tödten, damit sie nicht Alle Hungers stürben. Dasselbe hat aber eine ehrbare Frau, Gamboir geheißen, abgerathen und gesagt, man sollte lieber das alte und junge untüchtige Volk an einen Haufen, und das starke Volk an einen anderen Haufen setzen, und das Loos darum werfen, wer aus dem Lande ziehen sollte; welchen Theil das Loos träfe, dem würden die Götter schon gute Wege zeigen. Solches gefiel ihnen Allen wohl und sie warfen das Loos. Das traf die starken. Dieselben mußten nun wegziehen, und kamen nach langem Streifen und Umherziehen zuletzt auf das Land zu Rügen. Daraus vertrieben sie die Rüger und setzten sich an deren Stelle fest im Lande. Und weil sie auf ihrer langen Reise die Bärte hatten lang wachsen lassen, hießen sie sich die Langbarte, welchen Namen sie auch behalten haben. Sie sollen auch die Stadt Barth** erbaut haben, welche in ihrem Wappen noch ein Haupt mit einem langen Barte führt.

Diese Langbarte haben bei fünf Könige Zeiten auf der Insel Rügen und dem festen Lande gegenüber gewohnt. Darauf sind ihrer aber wieder zu viele geworden, und die meisten von ihnen sind gezogen, zuerst an die Elbe, dann an die Donau, und zuletzt nach Italien hin, wo sie ein Land eingenommen, das jetzt mit einem etwas verkehrten Namen von ihnen die Lombardei*** heißet.

Die vertriebenen Rüger hatten sich nach Hinterpommern gezogen, wo sie auch die Stadt Rügenwalde**** erbaut haben. Dort saßen sie ruhig, bis der Mehrtheil der Langbarte das Land zu Rügen also geräumt hatten. Da brachen sie auf, überfielen die zurückgebliebenen Langbarte, und nahmen ihre alte Heimath wieder ein. Die Langbarte zerstreueten sich überall im Lande umher, und wurden da von nun an Wandalen genannt.

Quellenangaben:
* Die Volkssagen von Pommern und Rügen, Seite 13 bis 14
Von Jodocus Deodatus Hubertus Temme, Berlin 1840
** Barth,
Stadt im preußischem Regierungsbezirk Stralsund, Kreis Franzburg, am Barther Bodden, der mit der Ostsee in Verbindung steht, an der Staatsbahnlinie Velgast-Barth und der Franzburger Kreisbahn, hat eine schöne evang. Kirche (die St. Marienkirche) im gotischen Stil aus dem 13. Jahrhundert, eine Navigationsschule, ein adliges Fräuleinstift, einen Hafen, ein Amtsgericht, Reichsbanknebenstelle, Seemannsamt, Eisengießerei und Maschinenfabrik, Schiffswerft, Dampfmühle, Zucker-, Piassavawaren-, Leder-, Fischkonserven- und Zigarrenfabrikation, Dampfsägewerke, Bierbrauerei, Schiffahrt, Getreide- und Fischhandel und (1900) 7070 meist evang. Einwohner. Die Reederei zählte 1901: 60 Seeschiffe, darunter 4 Dampfer. Barth erhielt 1255 lübisches Recht.
Aus Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 2.
Leipzig 1905,
Seite 402 bis 403

*** Lombardei,
Landschaft in Oberitalien, nördlich vom Po, zwischen Ticino und Mincio, benannt nach den Langobarden; früher als Teil von Gallia cisalpina römische Provinz, 476 von Odoaker, 483 von den Ostgoten, 553 von den Griechen, 568 von den Langobarden, 774 von Karl dem Großen erobert, im Mittelalter in viele kleine Republiken und Herzogtümer als deutsche Lehnsstaaten zerfallend, von denen Mantua und Mailand 1714 an Österreich kamen und die Österr. L. bildeten; 1797-1802 gehörte die L. zur Zisalpinischen, bis 1805 zur Italienischen Republik, bis 1814 zum Königreich Italien; dann bildete es, mit Venedig vereint, als Lombardisch-Venetianisches Königreich einen Teil der österreicher Monarchie, bis 1859 der größere Teil, 1866 der Rest (Venetien) an Italien kam. Das gegenwärtige Compartimento Lombardei, bestehend aus 8 Provinzen: Bergamo, Brescia, Como, Cremona, Mailand, Mantua, Pavia, Sondrio, 24.085 qkm, (1905) 4.432.009 Einwohner.
Aus Brockhaus Kleines Konversations-Lexikon, Band 2.
Leipzig 1911
Seite 75 bis 76

****Rügenwalde, Stadt im Powiat Slawienski in der Woiwodschaft Westpommern in Polen, ca. 3,5 Kilometer südlich der Mündung der Wieprza/Wipper in die Ostsee gelegen. Der Karte Germania Magna des Ptolemäus zufolge lag Rugium am linken Ufer des Flusses Grabow; der Ortskern Rügenwaldes dagegen liegt am rechten Ufer der Wipper, in einigen Kilometern Entfernung, dennoch verdankt die Stadt Rügenwaldes den Rugiern ihren Namen. Bis 1227 hatte Dänemark die Vorherrschaft an der südlichen Ostseeküste. Danach stand der östliche Teil Hinterpommerns unter Herrschaft der Herzöge Pomerellens und wurde von Danzig aus regiert. Da Mestwin II., letzte souveräne Herrscher von Pommerellen, ohne männliche Nachkommen war, wurde die Lehenshoheit der Markgrafen von Brandenburg über Schlawe, Rügenwalde und Stolp 1273 im Vertrag an der Dragebrücke, unter brandenburgischen Verzicht auf Danzig aus dem Vertrag von Arnswalde, vertraglich anerkannt. Nach Mestwins Tod sollte das Gebiet an die Markgrafen von Brandenburg fallen. Mestwin kündigte bedingt des Vertrages von 1282 mit Großpolen die Verträge mit den Brandenburgern einseitig. Im folgenden Krieg wurde Rügenwalde 1297 vom vorpommerschen Herzog Bogislaw IV. zerstört. Als Mestwin II. im Dezember 1294 verstarb, erbte aber Przemyslaw Herzog von Großpolen, Pommerellen mit Teilen des östlichen Hinterpommerns. Die Markgrafen von Brandenburg setzten 1307 mit einer Allianz mit den Swenzonen ihre Rechte durch und begannen den Wiederaufbau von Rügenwalde. Am 31. Mai 1312 dem Tag der Neugründung Rügenwaldes erhielt Rügenwalde das Lübische Stadtrecht, unter Administration von fünf Bevollmächtigten der Swenzonen. Rügenwalde erhielt dabei mehrere Privilegien, wie das Recht auf Heringsfang und schaffte für das Befahren flacher Küstengewäser sechs neue Bordinge (Leichterschiffe) an. 1317 ging die Stadt Rügenwalde mit Umland an das Herzogtum Pommern-Wolgast.
Aus Wikipedia, die freie Enzyklopädie


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